Kälbertod durch Hundekot - stimmt das?

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Anke Süper
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Kälbertod durch Hundekot - stimmt das?

Beitrag von Anke Süper » Sa 22. Okt 2016, 11:08

Hallo Ihr Lieben, da nutze ich gleich mal die Plauder-Ecke. :mrgreen:

letztens habe ich das obige Thema mal recherchiert - weil es mich nervt, schon angebrüllt zu werden, sobald nur einer meiner Hunde eine Pfote auf die Wiese setzt.... denn natürlich habe ich für den Fall der Fälle Tütchen dabei.

Aber ich fand super interessant, was ich zum Thema gefunden habe und möchte es einfach mal weiter geben.

Aborterreger beim Rind
Quelle: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, http://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit ... a_caninum/

Übertragung
Hunde müssen sich erst selbst infizieren um dann andere Tierarten, zum Beispiel Rinder, über die Eierausscheidung anstecken zu können. Wahrscheinlich häufigste Infektionsquelle für Hunde sind abortierte Früchte und Fruchthüllen beziehungsweise Nachgeburten von infizierten Tieren. Verbreiter der Neospora caninum-Infektion sind Hunde, die Zugang zu Abort- und Nachgeburtsmaterial (Stall, Misthaufen) haben und gleichzeitig ihren Kotabsatz auf einer Futterwiese (eventuell sogar Futtertisch) verrichten können. Hauptsächlicher Überträger ist somit der eigene Hofhund beziehungsweise Nachbarhund, der ähnliche Möglichkeiten zum Betreten des Hofes besitzt. ...

Eine weitere Möglichkeit der Erregereinschleppung in den Bestand ist der Zukauf von infizierten weiblichen Rindern, welche die Infektion auf ihre Nachkommen "weiter vererben". Dies trifft auch für infizierte Trägertiere beim Embryotransfer zu.

Auswirkungen
Die bekanntesten und schwerwiegendsten Auswirkungen einer Neospora caninum-Infektion sind die Reproduktionsstörungen beim Rind. Aborte treten ab dem 3. Monat auf, am häufigsten geschehen diese im 5. bis 6. Monat der Trächtigkeit.

Ein seuchenhafter Verlauf der Aborte innerhalb einer kurzen Zeit (Epidemie) deutet eher auf eine Infektion durch Hundekot hin. Immer wieder auftretende Abortfälle, verteilt über eine längere Zeit (Endemie), lassen mehr auf eine Infektion im Mutterleib schließen. Wesentlich seltener zeigen Kälber, Hunde und Pferde Ausfallserscheinungen (neurologischer Art), die durch eine schädigende Infektion des Gehirnes zustande kommen.

......

Rinderaborte durch Neospora caninum - Welche Gefahren gehen von Hundekot auf Weiden aus?
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat ermittelt, dass erst ab einem regelmäßigen (das heißt wöchentlich am häufigsten zweimal, jedoch mindestens einmal und höchstens fünfmal) Aufenthalt von mindestens 87 Hunden während der Weidesaison auf einem Grünlandareal (Weide, Mähweide) ein geringes Abortrisiko besteht. Selbst wenn die angenommene Oozysten-Ausscheidung verzehnfacht wird, müssten nach diesem Simulationsmodell immer noch mindestens 14 Hunde während der gesamten Weidesaison dieses Areal regelmäßig aufsuchen, um ein geringes Abortrisiko für den Rinderbestand darzustellen. Die Einbeziehung von "worst case"-Szenarien in diese Simulation berechtigt zu der Annahme, dass die Zahl von Hunden, die sich auf einem Grünlandareal aufhalten müssen, um mindestens einen N. caninum-bedingten Abort auszulösen, unterschätzt wird, sodass das reale Abortrisiko für Rinderherden, das durch Hunde auf Grünlandarealen entsteht, noch geringer ist. Aufgrund der in den Rinderhaltungsregionen der Bundesrepublik bekannten Hundedichten wird davon ausgegangen, dass solche Begehungsintensitäten durch Hunde auf Grünlandarealen in der Regel nicht erreicht werden.

Als Präventionsmaßnahmen hinsichtlich N.caninum-assoziierter Aborte in Rinderbeständen sind daher die Unterbindung des Zugang von Hunden, insbesondere von Hofhunden, zum Stall und den Futterlagerplätzen sowie die Vermeidung des Zukaufs infizierter Rinder wirksamer, als die Verhinderung des Zugangs von Hunden auf Gründlandareale.

Empfehlungen zum Schutz vor Infektion und Maßnahmen bei Aborten
  • Bei Verdacht Blut (Vollblut/Serum) von Rindern, die verworfen haben, serologisch untersuchen lassen.
  • Serologisch positiv reagierende Rinder bleiben lebenslang infiziert. Deren Nachwuchs ist mit 90 % Wahrscheinlichkeit ebenfalls infiziert. Die langfristige Abschaffung der Tiere ist zu überlegen.
  • Bei Zukauf von Rindern ist deren Blut zuerst serologisch auf Antikörper gegen Neospora caninum zu untersuchen.
  • Zugang von Hunden (vor allem vom eigenen Hofhund und von Nachbarhunden) zur Stallung und zu verworfenen Früchten und Nachgeburtmaterial (Misthaufen) sollte verhindert werden.
  • Hofhunde sind nach derzeitigen Erkenntnissen die Hauptinfektionsquelle (s. o.), deshalb sollte man diesen kein rohes Fleisch verfüttern.
  • Wenn möglich verhindern, dass Futter der Rinder durch Hundekot verschmutzt wird.
Und ergänzende Quelle: Friedrich-Löffler-Institut: https://www.fli.de/de/institute/institu ... %5D=studie

Nachweis von Neospora caninum-Oozysten bei natürlich infizierten Hunden
Von 24.089 Hundekotproben, die zwischen März 2001 und Oktober 2004 an zwei in Baden-Württemberg liegende private veterinärmedizinische Untersuchungslabore (Tierärztliches Labor Freiburg, VetMedLabor GmbH) gesendet worden waren, enthielten 47 (0,2 %) Oozysten, die morphologisch denen von Hammondia heydorni und N. caninum ähnelten. Die Oozysten-Isolate von 29 Hunden wurden am FLI weiter untersucht und zur Speziesbestimmung in Gerbils (Meriones unguiculatus) inokuliert. Sieben Isolate induzierten in Gerbils eine spezifische Antikörperantwort gegen Antigene von N. caninum-NC-1-Tachyzoiten, das heißt diese Isolate enthielten N. caninum. Bei zwei Isolaten erkrankten die inokulierten Gerbils und Toxoplasma gondii konnte aus ihren Körpergeweben isoliert werden. Die restlichen Isolate induzierten weder eine Antikörper-Antwort gegen N. caninum noch gegen T. gondii (Schares et al., 2005).

Und das sind doch durchaus seriöse Quellen. Der Kreislauf ist also, dass die Landwirte den Erreger auf ihren Kompost oder gleich mit der Gülle auf die Wiesen ausbringen, evtl. ein Hofhund davon frisst und ihn dann eben auch wieder ausschei...

Mein Fazit: Unsere Haushunde werden also hier doch wohl eher zum Sündenbock gemacht für ein Problem, das die Landwirte selbst verursachen. :cry:

Nein, das soll nicht heißen, dass man deswegen die Hinterlassenschaften seiner Hunde liegen lassen soll. ABER das soll mal ein Thema wieder versachlichen, dass zuweilen völlig eskaliert. :pc68:

In diesem Sinne ein schönes Wochenende und hoffentlich entspannte Hundespaziergänge


:tier_dog2:
Lieben Gruß - Anke :nahrung01:
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mit :tier_dog: Merlin,Mia,Joschi, :tier_cat: Lieschen & Mogli (und hinter der Regenbogenbrücke Rookie, Frodo & Lotta, Johnny und Trudi)
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