Aggressionsverhalten beim Hund

Bei unserer Tierschutzarbeit begegnen uns immer häufiger Hunde mit Aggressionsverhalten, die vielleicht sogar schon Mensch oder Tier gebissen haben. Die Vielfalt geht von Drohen, Knurren und Abwehrschnappen über Leinenaggression, bis hin zu Bissen mit ernsthafter Verletzungsabsicht.

Wir verurteilen diese Hunde nicht, denn sie sind selten aggressiv geboren. Oft haben Situationen, in denen sie sich massiv bedrängt und bedroht gefühlt haben, in denen sie keinen Ausweg wussten und keine Hilfe von anderen bekamen, vielleicht auch Schmerzen hatten, zum ersten Schnappen oder Beißen geführt. Durch Zurückweichen des vermeintlichen Angreifers ist das Verhalten „selbstbelohnend“, wird also verstärkt und festigt sich.

(Bild von Andrea Bohl auf Pixabay)

(Bild von skeeze auf Pixabay)

Trainingsmethoden mit Folgen

Fast genauso häufig, wie uns aggressive Hunde begegnen, treffen wir leider auf aggressive Trainingsmethoden in der Vorgeschichte solcher Hunde. Hilfsmittel, die dazu dienen sollen, den Hund zu erschrecken oder zu bestrafen, wie Wurfketten, Disk-Scheiben, Rappeldosen, Sprühhalsbänder,  Wasserflaschen oder sogenannte "Trainingsgeschirre", die dem Hund Schmerzen zufügen, haben zwar im ersten Moment vielleicht eine Wirkung, lösen aber selten das Problem des Hundes.


Auch Hunde brauchen Vorbilder

Bisse spielerisch (Bild von Sonja Kalee auf Pixabay)

Ein Rudelführer (egal ob zwei- oder vierbeinig) zeichnet sich eher durch gelassene Souveränität aus. Und genau das würde ein Hund mit nicht gefestigtem Charakter so dringend benötigen. Konfrontative Trainingsmethoden haben in der Vorgeschichte solcher Hunde nicht selten dauerhaft eher zur Verschlimmerung des Problems geführt. Einem Hund der beißt, fehlt es vor allem an Vertrauen. Dieses Vertrauen können wir einem Hund nicht zurück geben, in dem wir uns ihm gegenüber aggressiv verhalten. Natürlich, Patentrezepte gibt es nicht, sonst gäbe

es keine aggressiven Hunde. Dennoch halten wir Empathie, Ruhe, Geduld, Souveränität, Erfahrung, Vorbildfunktion und manchmal auch einfach „Köpfchen“ für geeignetere Methoden, um beim Hund echte Lernprozesse anzuschieben. Es gilt, das Problem des Hundes zu verstehen und ihn bei der Bewältigung zu unterstützen, statt ihn zu maßregeln. Ein gutes Vorbild ist allemal besser als Gegenaggression, weshalb wir zum Beispiel auch die teilweise empfohlenen „Raufergruppen“ von Hunden kritisch sehen. Von welchem Hund in einer solchen Gruppe soll der Hund etwas lernen – und was genau? Dass „sich Prügeln“ die Lösung ist?

Trennung - der letzte Ausweg

Leider ist es zum Umdenken und Umlernen oft zu spät, wenn wir um Hilfe gebeten werden. Die Nerven liegen blank und ein gemeinsamer Weg ist für die Halter dieser Hunde nicht mehr vorstellbar. Oft haben sie bereits mehrere solcher konfrontativen Trainingsmethoden ausprobiert, ohne dauerhaften Erfolg. Wenn hier wirklich keine Umkehr mehr möglich ist – wir beraten und unterstützen die Halter gern dabei -, steht bei unserer Arbeit die Sicherheit für Mensch und Tier an oberster Stelle. Als Vorbereitung für den Weg in ein neues Zuhause ist es daher unerlässlich, dass Hunde, die in Stresssituationen eventuell beißen könnten, einen Maulkorb kennen und tolerieren. Dieser darf den Hund nicht stören oder behindern. Versucht der Hund mehrfach, ihn abzustreifen, ist das Tragen nicht korrekt aufgebaut. Der Maulkorb lässt sich prima mittels Klickertraining konditionieren. Es gibt viele gute Youtube-Videos – zum Beispiel dieses: https://youtu.be/8gmnfL3KF0I und kennt der Hund das Klickertraining selbst noch nicht, gibt es auch dazu zahlreiche Anleitungen, zum Beispiel hier: https://youtu.be/tQpPgFW7rAI.

 

So gerüstet steht einem Kennenlernen mit uns nichts mehr im Wege.

Kein Missbrauch der Situation

Achtung: Der Maulkorb dient ausschließlich zum Schutz von Mensch und Tier, er darf niemals dazu missbraucht werden, den Hund ungestraft zu provozieren. Im Training sollte genauso empathisch gearbeitet werden wie immer. Der Maulkorb ist nur das Sicherheitsnetz, falls der Akrobat doch einmal abstürzt.