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10 Jahre - 10 Katzengeschichten - Angie (2016)

Natürlich kommen auch die Samtpfoten nicht zu kurz und deshalb rücken sie etwas zeitversetzt nach. Wir möchten uns noch einmal an Angie erinnern, so ein trauriges Katzenschicksal. Aber dass sie sich mit 16 Jahren doch am Ende noch mit dem Leben versöhnen konnte, das stimmt uns ein bisschen milde und war das einzige, was wir für sie tun konnten. Manchmal wünscht man sich, man hätte eine Pechpfote viel früher kennen gelernt.

Auf der Suche nach einem Zuhause für immer

Ihre ursprüngliche Herkunft ist unklar. Der ersten Familie sei sie bereits zugelaufen - und wurde schon bald wegen einer Katzenhaarallergie abgegeben. Nach kurzem Tierheimaufenthalt zog sie zu einer Familie mit Kindern und einer Katze. Leider war auch diese Station keine glückliche Wahl. Die andere Katze akzeptierte sie nicht und griff sie immer wieder an. Einige Narben hatte Angie aus dieser Zeit.
Da war schnelles Handeln nötig und so kam sie mit etwa 2 Jahren in ihr fast endgültiges Zuhause, indem sie dann 14 Jahre verbrachte. Ob es dort einmal richtig schön für sie war? Wir hoffen es sehr. Aber wir wissen es nicht.

 

Ja, vielleicht wäre alles gut gewesen, wären da nicht drei sehr kleine Kinder, die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit benötigten – und sicher auch durch Lärm und Unruhe eine Belastung für Angie darstellten. Dabei wäre für sie besondere Fürsorge wichtig, verständnisvolle, ruhige Zuwendung als Balsam für ihre Seele. Und da sie nie Freigang genießen durfte, fehlte ein Ausgleich und fiel es auch mit den Rückzugsmöglichkeiten schwer.

Nur Haut und Knochen

Was auf den Bildern nicht so deutlich scheint, ist aber ihr Zustand, der uns erschreckt. Sie wiegt nur noch knapp über zwei kg und auch ihr Fell ist nicht richtig schön. Ja natürlich, sie ist 16 Jahre als wir sie kennen lernen. Aber wie die spätere tierärztliche Kontrolle ergibt, sind ihre Leber- und Nierenwerte gar nicht so schlecht.

 

Auf die Frage nach ihrer Abmagerung berichtet die Halterin, dass Angie sehr häufig erbrechen muss. Und da dies im turbulenten Haushalt mit den Kindern als Störfaktor empfunden wird, bekommt sie eben einfach weniger zu fressen, damit sie weniger erbrechen kann.

 

Diese "Logik" schockiert uns bis heute. Vielleicht wäre sie verhungert, hätten wir sie nicht kennen gelernt. Auf die nächste Frage, was denn der behandelnde Tierarzt bisher untersucht und empfohlen hätte, kommt der nächste Schock. Sie war gar nicht beim Tierarzt. Sie sei so wehrhaft, dass man es nicht versucht hatte. Und vielleicht fehlten auch Zeit und Geld? Auch das wissen wir nicht. Fakt ist, wir müssen Angie helfen und zwar schnell.

Gute Worte sind nötig zum rettenden Umzug

Und das ist nicht einmal ganz einfach. Denn die Halterin ist wenig einsichtig, dass es Angie schlecht geht. Unsere Kollegin kennt die Familie und Angie, hat uns den Fall gemeldet und muss erst mit Engelszungen bei der Familie reden, damit wir Angie helfen dürfen.

 

Doch dann geht alles ganz schnell. Wir dürfen Angie abholen und unser dringender Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz bestätigt sich bei dem sofort organisierten Tierarztbesuch. Angie kann ihr weniges Futter nicht einmal verwerten und bekommt schleunigst Enzyme zugefüttert und dann auch schrittweise größere Portionen.

Ein himmlischer Lebensabend dank Pflegestelle

Alles nimmt Angie dankbar an, die Enzyme und das damit endlich verdauliche Futter, die Ruhe, Geborgenheit und Zuwendung. Ganz ganz langsam in kleinen Schrittchen nimmt sie zu, findet ihre Mitte und versöhnt sich mit dem Leben. Nie mehr bekommen wir die Bilder aus den Köpfen und unseren Herzen, wie Angie es genießt, nach 16 Jahren reiner Wohnungshaltung friedliche Tage im sonnigen Garten zu verbringen. Man sieht sie Sonnenbäder nehmen, Insekten verfolgen oder ein kühles Schlafplätzchen im Gebüsch genießen.

Nur noch ein paar Monate hat Angie dies alles genießen können. Dann ist sie friedlich über die Regenbogenbrücke gegangen. Aber wir sind sicher, diese schöne friedliche und umsorgte Zeit hat sie mit dem Leben versöhnt.

Unser Versprechen

Liebe Angie, wir haben dir ein Versprechen gegeben. Nie mehr werden wir sagen, diese Katze braucht keinen Freigang, sie hat es ja ihr Leben lang nicht kennen gelernt. Wir möchten die Verantwortung nicht tragen, einem Lebewesen auch für den Rest des Lebens das ein oder andere Stündchen in Freiheit zu verwehren. Egal, wie lange dieses Leben nach unserer Vermittlung noch dauern mag. Wir tragen nicht die Verantwortung für die Vergangenheit Aber wir übernehmen sie für deine Zukunft. Danke, dass Du uns das gelehrt hast.